
Festplatz oder chaotische Lagerung: Folgen für die Zählung
Wer chaotisch lagert, braucht ein verlässliches Platzsystem, sonst wird jede Zählung zur Suche. Vor- und Nachteile beider Lagerarten für die Inventur.
Wie Ware im Lager einem Platz zugewiesen wird, bestimmt, wie sie sich zählen lässt. Bei der Festplatzlagerung hat jeder Artikel seinen Platz, bei der chaotischen Lagerung wird jeweils dort eingelagert, wo gerade Platz frei ist. Beides ist legitim, und beides hat Folgen für die Inventur. Der entscheidende Unterschied: Im einen Fall führt der Artikel zum Platz, im anderen führt der Platz zum Artikel. Wer das nicht bedenkt, plant für die Zählung zu wenig Zeit ein.
Festplatzlagerung: Der Artikel hat sein Zuhause
Jeder Artikel hat einen festen Platz, die Zähllisten sind kurz und folgen dem Sortiment. Fehlt ein Artikel, fällt der leere Platz sofort auf. Neue Mitarbeiter finden die Ware schnell, und das Zählteam kann sich an der Artikelnummer orientieren.
Die Nachteile sind der höhere Flächenbedarf, weil auch Plätze für selten bewegte Ware reserviert bleiben, und die Überläufer: Passt eine Lieferung nicht auf den Festplatz, steht der Rest irgendwo anders, und genau dort entstehen Zählfehler.
Chaotische Lagerung: Der Platz hat seinen Inhalt
Die Fläche wird besser genutzt, weil jeder freie Platz belegt werden kann. Dafür steht derselbe Artikel an mehreren Plätzen, und ohne verlässliches Platzsystem wird die Zählung zur Suche. Hier gilt:
- Jeder Platz hat eine eindeutige Nummer, am Regal sichtbar.
- Jede Ein-, Aus- und Umlagerung wird platzgenau gebucht.
- Gezählt wird vom Platz zum Artikel: Platz für Platz, mit Artikelnummer und Menge.
- Die Gesamtmenge eines Artikels ist die Summe über alle seine Plätze und entsteht erst in der Auswertung.
Ein Rechenbeispiel (fiktiv)
Ein Lager führt 900 Artikel. Bei Festplatzlagerung genügen 900 Plätze plus 60 Überlaufplätze, also 960 Zählzeilen. Bei chaotischer Lagerung stehen die Artikel im Durchschnitt an 2,5 Plätzen, das ergibt 900 × 2,5 = 2.250 Zählzeilen. Bei gleichem Tempo von 40 Zeilen pro Stunde braucht die Erstzählung 960 ÷ 40 = 24 Teamstunden im ersten und 2.250 ÷ 40 = rund 56 Teamstunden im zweiten Fall. In der Praxis kommen beim chaotischen Lager noch Suchzeiten hinzu. Das heißt nicht, dass die chaotische Lagerung schlechter wäre. Sie verlagert den Aufwand von der Fläche in die Systemdisziplin, und diese muss am Zähltag erkennbar funktionieren.
Was ein verlässliches Platzsystem braucht
- Eindeutige, lückenlose Platznummern, die am Regal und im System übereinstimmen.
- Platzgenaue Buchung bei jeder Bewegung, auch bei Umlagerungen innerhalb des Lagers.
- Eine Regel für leere Plätze: Sie werden gemeldet und bei der Zählung als „leer“ bestätigt.
- Ein Verzeichnis aller Plätze, das als Grundlage für die Lückenkontrolle dient.
- Eine regelmäßige Platzkontrolle, nicht erst vor der Inventur.
Bei Mischformen, etwa festen Plätzen für schnell drehende Ware und chaotischer Lagerung für den Rest, muss die Anweisung beide Bereiche getrennt beschreiben. Die Überlaufflächen gehören dazu: Sie sind die häufigste Quelle für Ware, die auf keiner Liste steht.
Zählmethodik je Lagerart
Bei Festplatzlagerung wird der Artikel gesucht und sein Platz gezählt, leere Festplätze werden mit null bestätigt. Bei chaotischer Lagerung zählt das Team platzweise, blind und in der Reihenfolge der Platznummern, und die Lückenkontrolle prüft, ob jeder Platz auf genau einer Liste steht. Gezählte Zonen werden sichtbar markiert. Bewegungen in einer Zone während der Zählung sind zu vermeiden oder getrennt zu erfassen, sonst springt Ware zwischen zwei Plätzen und wird doppelt oder gar nicht gezählt.
Fazit
Festplatz oder chaotisch: Beides lässt sich sauber zählen, wenn das Platzsystem stimmt. AuditMaster prüft beim Lageraudit die Lagerplatzsystematik und kennzeichnet auf Wunsch Regale und Plätze mit Barcode, als Grundlage für jede spätere Zählung.