
Aufräumen vor der Zählung: Das Lager zählbar machen
Offene Kartons, gemischte Paletten und Ware im Gang kosten am Zähltag Stunden. Was Sie in den Tagen davor ordnen, kennzeichnen und aussortieren sollten.
Am Zähltag zählt jede Minute, und gerade deshalb verlieren viele Teams die ersten Stunden mit Dingen, die nichts mit Zählen zu tun haben: Sie öffnen Kartons, sortieren gemischte Paletten und suchen Ware, die im Gang vor dem Tor steht. Ein zählbares Lager entsteht nicht in der Zählnacht, sondern in den Tagen davor. Dieser Beitrag beschreibt, was Sie ordnen, kennzeichnen und aussortieren sollten und was Sie ausdrücklich nicht anfassen dürfen.
Was ein Lager zählbar macht
- Jeder Lagerplatz ist eindeutig beschriftet und enthält einen Artikel. Wo mehrere Artikel liegen, ist die Mischung sichtbar abgegrenzt.
- Jede Verpackungseinheit ist geschlossen oder trägt einen Vermerk mit Inhalt und Stückzahl.
- Gänge, Rampen und Tore sind frei. Nichts steht dort „nur kurz“.
- Ware ohne Etikett ist identifiziert oder getrennt abgestellt und aufgelistet.
- Sperrware, Retouren und Fremdware stehen in eigenen, gekennzeichneten Bereichen.
Der Zeitplan der Vorbereitung
Ordnung lässt sich nicht an einem Nachmittag herstellen. Bewährt hat sich ein Plan in vier Stufen:
- Zwei Wochen vorher: Lagerleiter und Zählleiter gehen gemeinsam durch das Lager. Sie halten die Problemstellen in einer Liste fest, etwa gemischte Paletten, unbeschriftete Plätze und Ware ohne Zuordnung, jeweils mit Verantwortlichem und Termin.
- Eine Woche vorher: Das Lagerpersonal sortiert gemischte Paletten, schließt offene Kartons und ergänzt fehlende Platzetiketten. Das geschieht im normalen Betrieb und nicht in der Zählnacht.
- Drei Tage vorher: Nachkontrolle. Fertige Bereiche erhalten einen Zettel „vorbereitet“ mit Datum und Kürzel.
- Am Vortag: letzter Rundgang, Fotos der verbliebenen Problemstellen und Absprache, wie Bewegungen ab dem Stichzeitpunkt getrennt erfasst werden.
Planen Sie für die Vorbereitung Personal ein, das sonst im Tagesgeschäft fehlt. Ordnung kostet Arbeitsstunden, und wer sie nicht einplant, bekommt sie nur auf dem Papier. Einen Richtwert für Ihr Lager liefert die Vorbereitung eines einzelnen Bereichs, den Sie als Muster zuerst fertigstellen.
Ein Rechenbeispiel (fiktiv)
Angenommen, ein Lager hat 80 Paletten mit gemischter Ware. Das Zählen einer solchen Palette dauert im Beispiel 12 Minuten, das einer sortenreinen Palette nur 5 Minuten. Pro Palette entstehen 7 Minuten Mehraufwand, bei 80 Paletten also 80 × 7 = 560 Minuten, gut neun Stunden. Mit Zweitzählung verdoppelt sich der Aufwand auf 1.120 Minuten, knapp 19 Teamstunden.
Das Lagerpersonal braucht zum Vorsortieren etwa 4 Minuten je Palette, zusammen 320 Minuten oder gut fünf Stunden, und zwar im Tagesgeschäft ohne Zeitdruck. Unter dem Strich spart das Vorsortieren in diesem Beispiel 800 Minuten (1.120 − 320), also rund 13 Stunden Zählzeit, in denen die Teams tatsächlich zählen können.
Aufräumen heißt nicht bereinigen
Hier liegt der häufigste Denkfehler. Wer vor der Zählung Ordnung macht, ist schnell versucht, unklare Ware verschwinden zu lassen: Überbestände, alte Restposten, Kartons ohne Etikett. Tun Sie das nicht. Was nicht zuzuordnen ist, wird gekennzeichnet und gesondert aufgelistet. Über Verwertung, Entsorgung oder Umbuchung entscheidet danach die zuständige Stelle mit eigenem Beleg. Hilfreich ist eine Sammelstelle für alles Unklare: ein markierter Bereich mit Liste, in den fragliche Ware gestellt wird, statt sie zu entsorgen oder zu verstecken.
Ebenso gilt:
- Keine großen Umlagerungen kurz vor der Zählung. Jede Bewegung muss gebucht sein, bevor der Bestandsauszug gezogen wird.
- Fehlmengen werden nicht „aus dem Nachbarregal ergänzt“.
- Platzetiketten werden nicht ausgetauscht, ohne den Wechsel zu notieren.
Checkliste für den letzten Rundgang
- Sind alle Plätze eines Zählbezirks lesbar beschriftet?
- Gibt es offene Kartons ohne Vermerk?
- Stehen Paletten oder Behälter in Gängen und vor Toren?
- Sind Sperrware und Retouren getrennt und beschriftet?
- Liegen Zähllisten, Etiketten und Stifte bereit?
Ein „Nein“ bei einer dieser Fragen bekommt noch am selben Tag einen Verantwortlichen.
Fazit
Aufräumen vor der Zählung ist keine Kosmetik, sondern gewonnene Zählzeit und weniger Rückfragen. AuditMaster bereitet das Lager gemeinsam mit Ihnen vor: Lagerplätze werden gekennzeichnet, Ware wird sortiert, und Zähllisten und Etiketten liegen bereit, bevor die Zählteams eingewiesen werden.